Der Mann ohne Vergangenheit
Deutsches Theater Berlin
Aki Kaurismäki (Author) // Dimiter Gotscheff (Regie) // Katrin Brack (Bühne) // Ellen Hofmann (Kostüme) // Claus Caesar (Dramaturgie) //
Alexander Dafov, Simon Jakob Drees (Musik)
Der bekannte Regisseur Dimiter Gotscheff wird Kaurismäkis mehrfach ausgezeichneten Film für das Deutsche Theater Berlin adaptieren. Mein Kollege Simon Jakob Drees und ich sollen uns die Musik dazu einfallen lassen.
Gotscheff, der uns noch von seiner Inszenierung "Das Pulverfass" gut kannte, lud uns im September 2010 plötzlich zu einem Kaffee ein.
Er plane den Film für's Theater umzusetzen und ob wir uns vorstellen könnten, das MoV-Szenario kompositorisch auf die Bühne zu bringen. Die Musik in Kaurismäkis Filmen hätte ein dramaturgisches Gewicht. In der Theaterversion solle es nicht anders sein.
Ich willigte ein und die Proben begannen sofort.
Gotscheff verkündet: "Ich arbeite aus dem Bauch!". Seine Pinsel sind die Schauspieler und die Farbe - der Text. Das alles passiert außerhalb der Zeit, aber in einem konkreten Raum. Ich schaue ihm stundenlang zu, wie er jede Szene ausmalt, bis er cholerisch brüllt: "Musik!"
Dann muss es schnell gehen. Wo ist die passende Frequenz? In welchem Instrument versteckt sich die Antwort auf seine Frage nach musikalischer Bestätigung der gerade entstandenen Sequenz? Wird mir etwas einfallen? Wo sind meine Melodien? Unterstütze ich, oder spiele ich besser dagegen? Im Theater ist die Musik Teil der Requisiten könnte ich behaupten. Und gerade das ist der spannende Augenblick dieser Arbeit. Es gibt keine Zeit um lange Wege zu gehen. Vieles entsteht durch Improvisation. In der Pause wenn nötig aufschreiben und arrangieren. Üben war im Studium. Ich lade mich durch das Menschliche auf, durch das "Umsichwerfen" mit Wörtern und Stimmungen, Lichtexperimenten und Gedankenschwaden.
"Mitko, und wie findest du das hier...?" Wir spielen das inzwischen achte Angebot für die Szene "Betrunkenheit".
"Ihr habt doch vorhin etwas Kleines gespielt, was ist denn das jetzt?!"
Die Suche geht weiter. "Moment Leute, bitte Ruhe, ich suche...!"
Stille ist auch Musik.
Zwei Tage vor der Premiere haben wir immer noch nicht alle Szenen. Sie wird um eine Woche verschoben. Die Schauspieler lernen in 24 Stunden eine halbe Tonne Text und spielen ihn zu den letzten beiden Proben völlig natürlich. Da entsteht auch endlich der musikalische Schluss - am Premierentag. Unsere Band ist gut. Dies alles ist im Rückblick schwer zu glauben.
Wenn wir spielen sind wir ein pelziges Wesen mit vielen Zungen. Wir haben alle aus dem Bauch heraus gearbeitet. Text und Musik sind ein schönes Paar geworden, doch Kaurismäki konnte nicht zur Premiere kommen. Wir fahren zu ihm.
Centraltheater
Leipzig
Sascha Hawemann (Autor,
Regie) // Maike Storf (Ausstattung) //
Alexander Dafov (Musikalische Leitung)
In dem Theaterstück
„IstPunk" geht es um den musikalischen Werdegang
der englischen Punkband Cockney Rejects aus den Achtzigern.
Es handelt sich dabei keinesfalls um eine bloße
Biographieaufarbeitung. Erzählt wird von jungen Skinheads, die
den
Weg aus einem heruntergekommenen Londoner Arbeiterviertel suchen. Der
soll ein anderer sein, als ihnen das aussichtlose Umfeld, in dem sie
aufwachsen, vorgibt. Ihre Suche führt sie auf individuelle
Weise
zur Punkmusik, die sie für sich entdecken und
schließlich
den Oi-StreetPunk daraus schreddern. Man durchlebt Stationen ihrer Wut,
Verzweiflung und Aggression, Höhen und Tiefen ihrer Karriere
– im Stück durch verhaltenskomische Anekdoten, und
mit Musik
spannend und unterhaltsam in Szene gesetzt.
Brutalität, Fußball, Skinheads.
Gesellschaftskritisch
schlägt der Regisseur Hawemann eine Brücke von London
nach
Leipzig, wo das Thema Skinheads und Fußball immer wieder
aktuell
ist.
Ich hatte die Aufgabe, in einem knappen Monat aus vier
Schauspielern
(also keine Musiker!) eine überzeugend echte Streetpunkband zu
formen. Das hört sich vielleicht zunächst nicht so
schwer an,
geht es doch um unkomplizierte Musik, die auf höchstens drei
Akkorden aufgebaut ist. In Wirklichkeit war es eine Herausforderung,
weil wir nicht schlechter sein durften als die Cockneys, aber auch
nicht besser, sonst wäre es eben kein Punk mehr. Das Ergebnis
liegt mal mehr oder weniger dazwischen und passt hervorragend zur
Inszenierung, weil es uns, glaube ich, gelungen ist, diesen direkten,
rauen Sound live theatralisch umzusetzen.
Xell ist hier als Punksänger und Metal-Gitarrist
im Clockwork Orange-Kostüm bis Ende Juni 2010 zu erleben.
Das Pulverfass
Deutsches Theater Berlin, Berliner
Festpiele
Dejan
Dukovski (Autor) // Dimiter Gotscheff (Regie)
// Bettina Schültke (Dramaturgie) // Anri
Kulev (Bühne, Kostüme) // Sandy
Lopicic and Orkestar (Musik)
Gotscheffs
Inszenierung
dieses mehrfach ausgezeichneten Stücks ist ohne
Übertreibung
eines der großen Highlights der internationalen Theaterszene
in
den letzten Jahren. Aus gutem Grund wurde es 2000 für den
Wiener
Nestroy-Theaterpreis, sowie 2009 für den deutschen
Theaterpreis Der Faust nominiert.
Inhaltlich geht es um menschliche Schicksale im zerfallenden
Jugoslawien der Neunziger Jahre. Es sind kleine Episoden,
Balkan-Blues-Kollagen die eine gewisse Hilflosigkeit der Protagonisten
mit ihren Traditionen, dem Westen und der neuen Zeit widerspiegeln. Ein
Drama um die existentiellen Fragen "Was ist passiert?“,
„Was ist geblieben?“, „Wer sind
wir?“ und
„Was kommt als Nächstes?".
In dem Stück finden sich auch plakativ
verarbeitete Klischees,
Kulturcrashs und ein ins Deutsche exportierter landestypischer Humor
wieder.
Was schwer funktioniert, ist die Übersetzung der
Mentalität.
Das ist so gut wie unmöglich, auch weil sie in einem
zweistündigen Theaterstück natürlich nur
skizziert
werden kann. Im Text heißt es an einer Stelle "Ich fick dich
bis
du kotzt du verdammtes Arschloch!". Verbale Aggressionen dieser Art
gibt es in jeder Umgangssprache. Sie sind jedoch von
Nationalität
zu Nationalität verschieden in ihrer praktischen Wertigkeit.
Daher
neigen Zuschauer, die diese europäischen Länder nur
oberflächlich kennen und keinen Zugang zu deren Kultur hatten,
dazu, die Klischees eins zu eins anzunehmen, und diese thematisch
bestätigt zu sehen – ein Trugschluss.
Die enthaltene, durch eine besondere Akzentuierung
verzogene Kritik
hinter diesen Floskeln ist jedoch die eigentliche Sinnbotschaft. In
solchen Momenten zeigt sich, dass Europa noch viel tun muss, um sich
nicht nur wirtschaftlich, sondern kulturell näher kennen zu
lernen.
Nicht zuletzt steht diese Tragikomödie meiner
Meinung nach
symbolisch für den ganzen südeuropäischen
Raum als eine
Art neuzeitige Besinnung, aus der eine entsetzliche Frage
wächst:
Was macht man mit der so genannten neuen Freiheit?
Schließlich
könnte es aber genauso gut um einen selbst, um die eigene Welt
gehen (in welchem Land auch immer), da der im Stück
angesprochene
menschliche Habitus grenzübergreifend ist.
Das darstellende Ensemble ist großartig. Jeder
ist am richtigen
Platz besetzt und reizt seine Fähigkeiten voll aus. Es ist
berauschend in diesem Stück zu arbeiten, weil es dabei um
künstlerische Inhalte, Umsetzung und kostbare
ästhetische
Details geht, nicht aber um fundamentale, fachliche Kompetenzprobleme,
oder um das Ausleben egoistischer Ansprüche. Das Pulverfass
aufzuführen ist daher einfach nur ein voller Genuss
für mich.
Xell und ich singen, bzw. spielen abwechselnd Oboe und die
traditionelle bulgarische Gaida (Dudelsack) in dem Ensemble-Orkestar.
Das musikalische Arrangement ist teils aus
Balkan-Folklorestücken,
teils aus Kompositionen von Sandy Lopicic hervorragend adaptiert und
bringt den charakterlichen Kern des Stücks erst richtig auf
den
Punkt.
Außerhalb Berlins hatten wir Gastspiele in
Venedig, Belgrad und Oslo.
A Different Kind of
Music
Kira
Langlott (Gesang) // Dirk Feistel (Cister) // Timmy B. Timmermann
(Schlagzeug, Perkussion) // Jean Walther (Schalmei, Fidel, Gaida) //
Alexander Dafov, Xell (Oboe, Gitarre, Gesang, Gaida)
Die Band D.L.
arrangiert u.a. europäische Folklorestücke, vorrangig
aus dem
Balkanraum um. Durch die interessante Instrumentierung, z.T.
mit
mittelalterlichen Instrumenten, entsteht ein einmaliger Gesamtklang -
ein neuer, spannender Weg der musikalischen Sprache.
Das hat Xell und mich gereizt mitzumischen und wir spielen was das Zeug
hält, natürlich auch 100%ig live.
Offen
für anspruchsvolle Projekte
Ich mache so ziemlich alles was mit künstlerischer
Kreativität zu tun hat.
Musikalisch leiste ich Beistand, gestalte, leite wen und was auch immer.
Ich komponiere ganz ganz toll und schreibe nach Bedarf 'ne
super
Bühnenmusik. Ich berate szenisch und doktere an filmisch-,
oder
dramaturgischen Szenarien herum.
Unbedingt bin ich ausführender Musiker: Oboist,
Englischhornist, Sänger, Blockflötist, Gaidaspieler, Rhythm.Gitarrist und haste nich jesehn.
Außerdem knipse ich nach Wunsch mit meiner Kamera
professionell
umher. Obendrein war ich jahrelang Produzent bei SAT.1 und hab mit
bescheuerten Kommerztrailern zum allgemeinen kulturellen Untergang
beigetragen - um zu überleben versteht sich...
Also an-frage mich einfach alles was du willst, und ich sag
dir ob und
wie was möglich ist und ob ich Lust drauf hab... Nach
Erfahrung
bisher eigentlich immer, und außerdem arbeite ich mit Xell
Schulter an Schulter zusammen, weshalb einfach nur super Sachen
rauskommen.
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